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Kurz um, eine Andere. Diverseste Sternchen wären keine geworden, diverse Fotos würden nicht an realen oder virtuellen Wänden hängen und viele Shirts und Pullis hätten mehr Stoff während der Produktion verbraucht. Katey Cuoco (Penny aus „The Big Bang Theory“) meint, es war die beste Entscheidung ihres Lebens sich die Brüste vergrößern zu lassen und Barney Stinsons erste Frage an Ted bzgl. einer neuen Liebschaft war schlicht: „Möpse?“.

Tatsache ist, in unserer westlichen Gesellschaft, in der erotische oder sexuelle Bilder in fast jedem Film, jeder Fernsehserie, jeder Zeitung oder im Internet zu sehen sind, erfreuen sich weibliche Brüste immenser Beliebtheit bei beiden Geschlechtern. Neben dieser Tatsache ist es auch so, dass unsere Gesellschaft eine gewisse Freude daran hat, eher gewaltbeinhaltende Inhalte zu konsumieren. Dies erkennt man daran, dass bereits am Vormittag Serien mit dem Hauptthema Mord im Fernsehen laufen. Leid, Tod, Krieg uvm. wird teilweise kaum gefiltert auf Titelblätter und Bildschirme gebracht.
Es scheint auch immer weniger ein Problem zu sein, dass all das präsent ist. Warum auch? Unsere Gesellschaft ist eine aufgeklärte, freizügige, konsum- sowie erregungsfreudige.

Wann hast du das letzte Mal einer Frau gesagt, sie solle sich das Oberteil am Strand wieder anziehen? Klar, manche Menschen missbilligen das Oben-ohne. Die werden wahrscheinlich mit unverständlichen Blicken der Frau und der ZuschauerInnen, wenn es welche gibt, abgestraft, sobald sich jemand beschwert.

Brüste und ihre Funktion

Aber was ist, wenn diese Brüste ihre natürliche und eigentliche Funktion erfüllen? Wann hast du das letzte Mal einer Frau, die ihrem Kind die Brust gibt, gesagt, sie soll damit aufhören? Es ist ja unpassend, unappetitlich und gehört sich nicht. Moral, Anstand und Schamgefühl fehlt der jeweiligen Mutter doch sichtlich. Jeder Person die eine stillende Mutter beschämt oder kränkt, dafür, dass sie in der Öffentlichkeit ihr Kind stillt, der sollte man einen dringenden Termin bei einem Arzt ausmachen.

Untersuchungen haben ergeben, dass Frauen in unserer westlichen, aufgeklärten und freizügigen Gesellschaft, wenn sie ihren Kindern in der Öffentlichkeit die Brust geben, ans Herz gelegt wird, das woanders zu machen. Also dort, wo man es nicht sieht. Dort, wo man nicht sieht, wie eine Frau ihr Kind, mit oder ohne einem Tuch über dessen Kopf, stillt. Stillende Mütter werden darum gebeten in einer Umkleide, einem Vorraum, einem Stillraum oder auf der Damentoilette ihr Kind zu füttern, weil es Menschen gibt, denen das unangenehm auffällt.

Machen wir einen Sprung über den Teich, in ein Land, das über 90% seines Bestehens im Krieg mit sich und diversesten Ländern verbracht hat. In den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es zwar keinen Mutterschutz oder Karenz, aber 49 Staaten haben Gesetze, die Mütter beim Stillen schützen. In einigen Staaten ist es sogar strafbar, eine Frau am Stillen zu hindern oder sie deswegen zu diskriminieren.
In Österreich und Deutschland gibt es solche Gesetze nicht. In der Öffentlichkeit dürfen Frauen ihre Kinder stillen, wobei viele irrtümlich glauben es würde unter so etwas wie „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ fallen. Am Arbeitsplatz ist das Stille mit der „Stillzeit“ geregelt, aber z.B. in Restaurants oder Geschäften könnte der jeweilige Besitzer das Hausrecht geltend machen und eine stillende Frau der Räume verweisen.

Gesetz: stillende Mütter dürfen Räumlichkeiten verwiesen werden

Im Klartext: Eine stillende Mutter darf straffrei in Österreich und Deutschland gekränkt oder beschämt und sogar aus Räumlichkeiten geworfen werden, weil sie ihr Kind füttert.

Und das ist etwas, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Weder Deutschland noch Österreich haben ein Gesetz, dass verbietet eine Mutter daran zu hindern ihr hungriges Kind zu stillen oder dafür gekränkt oder beschämt zu werden. In den U.S.A., wo die Säuglingssterblichkeitsrate höher ist als in den meisten anderen entwickelten Ländern, gibt es Verbote, einen der natürlichsten Vorgänge der Welt, einzuschränken oder ihn zu diskriminieren.

Der Anblick von halb nackten bzw. komplett entblößten weiblichen als auch männlichen Körperteilen oder Körpern auf z.B. Litfaßsäulen mit Werbungen für Erotikmessen und in den Medien, wo auch Gewaltdarstellungen fester Bestandteil geworden sind, werden akzeptiert. Hingegen die weibliche Brust, das am öftesten präsentierte, abgebildete sowie viel zu oft unangemessen diskutierte Objekt überhaupt, wird, während der Ausübung seiner eigentlichen Funktion, von manchen Leuten als etwas Schlechtes, Unmoralisches und Anstößiges angesehen.
Das ist offensichtlich etwas, dass klare Worte finden muss:

„Sei keine lächerliche Heuchlerin!“ / „Sei kein lächerlicher Heuchler!“

Es ist egal, ob man ein eigenes Kind hat und es anders gemacht hat oder nicht.
Es ist egal, ob man jemals zuvor oder schon seit Langem keine Brust in natura gesehen hat.
Es ist egal, ob man der Meinung ist, dass man das Kind auch oder ausschließlich zu Hause füttern sollte.
Es ist egal, ob man sich peinlich berührt oder empört vorkommt, weil man eine stillende Mutter in der Nähe von sich bemerkt.
Weil es jeder nicht gerade stillenden oder nicht gerade gestillten Person schlichtweg egal sein soll.

Solange du andere mit deinem Verhalten nicht direkt behinderst, einschränkst oder gefährdest, kannst du glauben, tragen, sagen, rauchen, trinken, essen usw. was du willst.

Mehrere Aktionen rund um die Welt haben stattgefunden, die darauf aufmerksam machen, dass sich eine Frau weder diskret verhalten noch aus falscher Rücksicht abkapseln oder verstecken sollte, um ihr Kind zu stillen.

An unserer Gesetzgebung sollte sich diesbezüglich umgehend etwas tun, denn es kann nicht sein, dass aufgrund von öffentlicher Beschämung, ein Viertel aller Mütter sich gezwungen sieht auf das Stillen außerhalb ihres Zuhauses völlig zu verzichten. Und hier ist doch keine Diskussion notwendig, oder?

Hier stehen klar die Interessen des Kindes, welches gestillt wird, und die der Mutter, die es stillt, vor jedem Argument, dass jemand anderes haben kann.

Was wäre die Welt ohne weibliche Brüste? Sie wäre an erster Stelle eine, ohne der gesündesten Nahrungsquelle für Säuglinge. Sie wäre ohne dem, was die Grundlage für werbe- oder voyeuristisch orientierte Medien darstellt. Und sie wäre ein Ort, wo viele Kontroversen deswegen einfach nicht entstehen würden.

 

 

 

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Eine Antwort

  1. Lydia

    Ein interessanter Beitrag! Ich finde es unglaublich, dass es Menschen gibt, die sich davon gestört fühlen.
    Umso wichtiger ist es darauf aufmerksam zu machen.

    Antworten

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