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oder

Gründe wieso es nicht knapp werden sollte

Ein Außenseiter hat es in die Wiederholung der finalen Runde geschafft und steht nun vor der Zielgeraden: Norbert Hofer

Den gesamten Wahlkampf zu besprechen, würde jeden Rahmen sprengen. Deswegen werden hier nur sieben Punkte genannt, die beschreiben:
Wie konnte Norbert Hofer ‪am 4. Dezember‬ gewinnen?

Da wir in einer Zeit leben, wo die Aufmerksamkeit gerne von kurzer Dauer ist, gibt es diese sechs Gründe in zwei Versionen. In einer Kurzfassung und einer Langfassung.

Kurzfassung

Wahlanfechtung vorab geplant
Die FPÖ hat nie bewiesen, dass die Gründe für die Wahlanfechtung nicht schon vor der Wahl selbst bekannt waren.

Der Berg
Hofer hat bist heute keine Beweise für ein diplomatisches Treffen in Israel oder einen Anschlag am Tempelberg vorgelegt.

blaue Blüte
Die angesteckte Kornblume, wie sie Hofer bis vor kurzem gerne getragen hat, beschreibt Adolf Hitler in „Mein Kampf“ als Betonung der Gesinnung.

ÖXIT
Am 27.01.2016 hat die FPÖ einen Antrag im Parlament eingebracht, wonach sie eine „Abhaltung einer Volksbefragung über den Austritt Österreichs aus der EU“ von der Regierung fordert.

falsche Überzeugung
BrExit und Trump sind zum großen Teil das Ergebnis davon, dass sehr Viele überzeugt waren, sie müssen nicht wählen, weil es/er eh nicht passieren wird.

Faust aufs Aug
Menschen die nicht wählen, weil sie sich mit den zur Wahl stehenden Kandidaten nicht identifizieren können und nicht das kleiner Übel wählen möchten.

Nach der Wahl
Die Erkenntnis: Ohne Streit haben die anderen relevanten Parteien und vorherigen KandidatInnen ihre Unterstützung für einen Kandidaten ausgesprochen.

 

 

Langfassung

Wahlanfechtung vorab geplant

Alexander Van der Bellen hat die 1. Stichwahl gewonnen, dessen Ergebnis und Gültigkeit danach vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben wurde.

Binnen kürzester Zeit war nach dem öffentlichen Eingeständnis über die Niederlage Norbert Hofers auch schon das erste Gerücht zur Anfechtung der Stichwahl in den sozialen und kurz später in den Mainstream Medien zu lesen. Mit 31.026 Stimmen Vorsprung war die Wahl die knappste in der österreichischen Geschichte. Der Verfassungsgerichtshof hat über die Wahlanfechtung für den Antragssteller Heinz-Christian Strache entschieden. Über die Begründung und die Verantwortlichen wird immer noch debattiert.

So hat auch der Verfassungsrichter Johannes Schnizer, der das Aufhebungsurteil mitbestimmt hat, seine Meinung geäußert. Seiner Meinung nach ist die Wahlanfechtung vor der Wahl selbst geplant worden. Das hat die FPÖ selbstverständlich nicht so stehen lassen wollen. Das würde bedeuten, sie hätten

  • über die in der Anfechtung genannten Missstände schon vor der Wahl gewusst,
  • diese nicht gemeldet,
  • damit die ÖsterreicherInnen wider besseren Wissens wählen lassen,
  • mindestens 12 Millionen Euro Schaden und
  • dem Ansehen der österreichischen Demokratie mutwillig schweren Schaden zugefügt.

Die FPÖ hat diesem Verfassungsrichter somit mit einer Klage gedroht, sollte er seine Behauptung nicht zurücknehmen. Dieser wird sich möglicherweise die Hände gerieben haben beim Gedanken: „Ok, beweist mir, dass die Vorbereitung der Anfechtung nicht vor der 1. Stichwahl begonnen hat.“

Die Klage der FPÖ ist bis heute nicht gekommen.

Das bedeutet allerdings auch, dass die FPÖ bis heute keine Beweise vorlegen musste und die Behauptung, dass die FPÖ über Missstände bei der Auszählung der Stimmen bescheid wusste und die Vorbereitung der Wahlanfechtung vor der Wahl selbst begonnen hat, nicht widerlegt wurde.

 

Der Berg

Als Armin Wolf nach genauer Recherche Norbert Hofer live das Märchen des geheimen diplomatischen Besuchs in Israel und des Terrorakts am Tempelberg in Frage stellte, schien die Wahl für Hofer gelaufen. Wie könnte jemand, der diplomatische Treffen erfindet, Österreich nach außen hin vertreten? Welche seiner Kontakte sind denn dann wirklich echt?

Offizielle Statements der Personen die er getroffen haben soll, widersprechen Hofer. Der Sprecher der israelischen Polizei bestätigt, dass es keinen terroristischen Anschlag gegeben hat an dem von Hofer genannten Tag oder in diesem Zeitraum überhaupt. Es gibt auch sonst keine offiziellen Unterlagen oder Pressemeldungen über Hofers diplomatische Treffen, weil diese angeblich geheim waren.
Trotz dem, dass die Treffen geheim sein sollten, hat er bei vielen Gelegenheiten davon gesprochen.

Man möchte meinen: Ein Märchen, wo auch die Lügenpresse-Argumentation nichts beschönigen kann.

Am Tag darauf, wo man sich eigentlich sicher sein konnte, dass das Rennen für Hofer gelaufen ist, setzte er alles auf ein Blatt. All-In.
Live auf Sendung befragte ihn Ingrid Thurnher zu diesen Umständen und Hofer antwortete schlicht: „ich hab auch Fotos mitgenommen“.

Drei Dinge sind bei dieser Reaktion klar geworden:

  • Zuerst sickert einmal, Norbert Hofer und/oder eine seiner Begleitpersonen macht anscheinend Fotos davon, nachdem jemand vor ihnen erschossen wurde.
  • Der perfekte Bluff wurde hier vorgeführt. Niemals hätte Ingrid Thurnher es zulassen können, dass Norbert Hofer Fotos zeigt, auf denen möglicherweise eine Leiche zu sehen ist. Sie hat raus müssen aus der Situation und hat dafür einstecken müssen. Norbert Hofer zeigt darauf in Perfektion wie man rhetorisch Seife in die Augen der Seher reibt. Ohne ein Stückchen vorgeführtem Beweis, der für seine Darstellung der Ereignisse sprechen würde, stellt er sich in die Opferrolle des von Allen gejagten Freiheitlichen.
  • Die Geschichte ist tot.

So etwas sieht man normalerweise nur in Serien wie White Collar, die von einem Trickdieb handelt, welcher verschiedene Methoden anwendet, um seine Opfer und Verfolger abzulenken, zu täuschen oder in die Irre zu führen. Im Fall des Tempelberg-Märchens gilt der Applaus zur erfolgreichen Flucht nicht dem fiktiven Antihelden, sondern dem österreichischen Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer.

 

blaue Blüte

Mit welchen Symbolen man sich schmückt, soll jedem selbst überlassen sein. Die Bedeutung dieser Symbole wirft aber immer wieder diverse Fragen auf.
Das ist als würde man dem M von McDonalds die beabsichtigte Symbolik goldener nährender weiblicher Brüste absprechen wollen.

Jedoch unternahmen Norbert Hofer und sein Parteichef Heinz-Christian Strache den Versuch die Symbolik der Kornblume, welche vom FPÖ-Präsidentschaftskandidaten selbst und von anderen FPÖ-Mitgliedern als Erkennungsmerkmal gerne getragen wurde, zu vernebeln. Die Aussage „weil sie blau ist“ begegnete der Antwort „sind andere Blumen auch“. Und die Behauptung die „Kornblume ist die Europablume und das Symbol für die bürgerliche Freiheitsbewegung 1848“ wurde sogar vom FPÖ-nahem Historiker Lothar Höbalt als falsch deklariert.
Damit das Thema nicht weiter Wellen macht, verzichtet Norbert Hofer nun auf das tragen der Kornblume.

Mit der Aussage „Damit man nicht immer wieder dasselbe erklären muss.“ hat Norbert Hofer nicht die Erklärung gemeint, dass die Kornblume ein Symbol der deutschnationalen und antisemitischen Schönerer-Bewegung war. Auch sollte man sich darüber keine Gedanken machen, dass Georg von Schönerer ein direktes geistiges Vorbild Adolf Hitlers war, was in Geschichtsbüchern gut dokumentiert ist.
„Damit man nicht immer wieder dasselbe erklären muss.“ wäre auch eine fantastische Erklärung, warum Menschen mit einer gewissen Gesinnung keine z.B. roten Binden mit einem weißen Punkt und einem emotional behafteten Symbol tragen.

Norbert Hofer hat recht, wenn er behauptet kein Nazi zu sein, denn dafür wurde bis heute kein Beweise vorgelegt. Bis vor kurzem trug er nur eine blaue Blume die zufällig das Erkennungsmerkmal einer deutschnationalen und antisemitischen Bewegung war und möglicherweise ist, dass seit dem 19. Jahrhundert getragen wird.

Im Kapitel „Der Kampf ums Deutschtum“ schrieb der von der Allgemeinen Malerschule der Wiener Kunstakademie abgelehnter Hobbymaler in seinem Bestseller „Mein Kampf“ auf Seite 10:

„Für Südmark und Schulverein wurde da gesammelt, durch Kornblumen und schwarzrot-goldne Farben die Gesinnung betont, mit „Heil“ gegrüßt, und statt des Kaisersliedes lieber „Deutschland über alles“ gesungen, trotz Verwarnung und Strafen.“

 

ÖXIT – spricht darüber, sagt er sei dagegen

Nationalistisches Denken und ein gemeinsames Europa passen nur sehr schwer bis gar nicht zueinander. Jetzt ist es so, dass Van der Bellen sich klar gegen einen Austritt Österreichs aus der EU ausspricht. Das entspricht auch dem Willen der absoluten Mehrheit der ÖsterreichInnen. Nachdem das klar wurde, meinte Norbert Hofer, dass er und die FPÖ gar nicht austreten wollen und auch nicht aktiv darauf hin arbeiten.

Es scheint auch notwendig, dass er sich das NO-ÖXIT-Etikett so groß wie möglich auf die Brustschleife heftet. Obwohl sein Wahlkampfleiter Herbert Kickl meint, es sei eine glatte Lüge zu behaupten, die FPÖ würde für einen Austritt aus der EU sein, wurden von dieser Partei in den letzten Jahren sogar Anträge über derartige Abstimmungen im Parlament eingebracht.

Und dass einschlägige Einträge auf Facebook von Heinz-Christian Strache ebenfalls den Worten von Hofer und Kickl widersprechen, scheint schlussendlich dem „Was ich jetzt laut schreie gilt wirklich“-Effekt zu begegnen.

Trotzdem, hat am 27.01.2016 die FPÖ einen Antrag im Parlament eingebracht, wonach sie eine „Abhaltung einer Volksbefragung über den Austritt Österreichs aus der EU“ von der Regierung fordert.

 

falsche Überzeugung

Die Überzeugung, dass es doch gar nicht anders sein kann, als das Rechts schlussendlich verliert, wird wahrscheinlich wieder eine Überraschung hervorrufen.

In Großbritannien ist man davon ausgegangen, dass BrExit nicht zugestimmt wird, weswegen vor allem die Jungen nicht gewählt haben. Daraus ergab sich der ausgestreckte Mittelfinger der alten Generation in Form von einem knappen Votum für den BrExit.

In den Vereinigten Staaten mag Hillary Clinton zwar mehr als zwei Millionen Stimmen mehr bekommen haben, jedoch hat es nicht gereicht um im indirekten Wahlsystem der USA die Präsidentschaft für sich zu entscheiden. Vor allem haben dort die Mehrheit der Amerikaner gemeint, dass sie entweder gar nicht wählen wollen oder waren vom Sieg Clintons so überzeugt, dass sie nicht wählen gehen müssen.
Das Ergebnis ist Donald J. Trump, Reality-TV-Star und 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Und die Möglichkeit, dass Norbert Hofer tatsächlich Präsident wird, ist für Viele ebenfalls noch nicht vorstellbar, obwohl sogar Wettbüros wie bet-at-home mit ihrer Quote darauf setzen.

Am Wahltag nicht zu wählen ist auf jeden Fall der Garant dafür, dass die eigene Stimme nicht zählt.

 

Faust aufs Aug

Das Nicht-Wähl-Argument, dass keiner der beiden Kandidaten der Stichwahl der Richtige ist, überschneidet sich mit der Sinnhaftigkeit Insulin zu verweigern, weil man meint Diabetes gehe einfach so weg und einen Fuß dafür opfern zu können.

Menschen die nicht wählen, weil sie sich mit den zur Wahl stehenden Kandidaten nicht identifizieren können und nicht einfach das kleinere Übel wählen möchten, haben das Recht dazu genau das zu tun.

Äußerst selten findet sich jedoch eine Kandidatin oder ein Kandidat die wie die Faust aufs Aug zu den eigenen Vorstellungen und Wünschen passt.

Dass Nicht-Wähler jedoch mit dem darauf folgendem Ergebnis unzufrieden sind, sieht man in letzter Zeit in den Ländern Großbritannien, Polen, USA und anderen.

 

Nach der Wahl

Manchmal braucht es vielleicht eine kleine Erinnerung, so wie in Independence Day, wo den Menschen schnell bewusst wurde, dass wir uns ganz anderen Problemen stellen müssen, als den nationalistischen Gedanken.

Was die Kandidatur des bekennenden schlagenden Burschenschafters und freiheitlichen dritten Nationalratspräsidenten Norbert Hofer gezeigt hat, ist der tatsächlich vorhandene Konsens, dass sich die anderen relevanten Parteien und vorherigen Kandidaten hinter einen Kandidaten gestellt haben. Sie haben sich ohne Streit auf diesen Kandidaten geeinigt.

Auch sollten Gedanken und Lösungswege geformt werden, für Probleme wie Hass und Hetze im Internet und vor allem sozialen Medien oder Falschmeldungen (Fake News). Diese Probleme haben dieses Jahr in den Wahlkämpfen rund um den Globus viel Schaden angerichtet.

Sollte Norbert Hofer gewinnen, kann man davon ausgehen, dass Organisationen gegen Fremdenfeindlichkeit, für Frauenrechte und Pflegepersonal mehr Aufmerksamkeit bekommen werden als bisher, weil wir uns wundern könnten, was alles geht.

 

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Quellen:

Werden in den kommenden Stunden eingearbeitet…

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