Apple hat dem Gericht und damit dem FBI, trotz richterlicher Anordnung, widersprochen eine Methode zu entwickeln, die Sicherheitsvorkehrungen bzw. Verschlüsselung eines iPhones zu brechen.

Konkret geht es um das iPhone 5C, eines der Schützen des Terroranschlages von San Bernardino, welches Informationen enthalten könnte, beispielsweise eine Anrufliste, die für weitere Ermittlungen wichtig sein mögen. Allerdings sind sich die Ermittler nicht sicher, ob die Funktion „Daten löschen“, welche nach zehn fehlgeschlagenen Anmeldeversuchen alle Daten auf dem iPhone unwiederbringlich löscht, aktiviert ist. Auch die Zeitverzögerung zwischen Passworteingaben ist anscheinend ein sehr effektives, Hindernis um zu unterbinden, dass schlicht alle 10.000 Möglichkeiten ausprobiert werden.

Am Knacken dieses iPhones 5C, arbeitet das Federal Bureau of Investigation, die mächtigste Strafverfolgungsbehörde der U.S.A., anscheinend schon seit über zwei Monaten, ohne Erfolg.
Richtig gelesen, seit über zwei Monaten können sie nicht an die Inhalte eines iPhones kommen. So gut sind die Sicherheitsmaßnahmen des iPhones, wenn sie aktiviert sind.

Statt aber die NSA zu fragen, welche bekanntlich Kommunikationsdaten sämtlicher in den U.S.A. und weiten Teilen der Welt stattfindender Verbindungen registriert und angeblich mitschneidet, möchte das FBI hier sichtlich einen Universalschlüssel bzw. Hintertür von Apple erstellt bekommen. Das FBI könnte diesen Zugang auch in Zukunft nutzen, sobald er erstellt worden ist. Allerdings auch andere Behörden oder Organisationen, was in weiterer Folge Datensicherheit am iPhone und Apple in dieser Hinsicht komplett unglaubhaft machen würde.

Das Gesetz, auf dessen Grundlage die Richterin die Anordnung gegenüber Apple ausgesprochen hat, stammt aus dem Jahr 1789, also aus einer Zeit wo die Glühbirne noch nicht erfunden worden ist. Der „All Writs Act“ ist geschaffen worden für den Fall, dass die Regierung etwas benötigt, es aber kein geltendes Recht dafür gibt. Somit wird mit einem Gesetz aus dem 18. Jahrhundert versucht eines der größten Technikunternehmen des 21. Jahrhunderts gefügig zu machen.

Die Antwort von Tim Cook, des Geschäftsführers von Apple, lautet:

„Dieser Anordnung [des Gerichts] zu widersprechen ist nicht etwas, dass wir auf die leichte Schulter nehmen.“

„Bis zu diesem Punkt haben wir alles getan, was sowohl in unserer Macht und im Rahmen des Gesetzes ist, ihnen zu helfen“, so Cook weiter. „Aber jetzt hat die US-Regierung uns um etwas gebeten, dass wir einfach nicht haben und etwas das wir als zu gefährlich ansehen, um es zu erstellen. Sie haben uns gebeten, eine Hintertür für das iPhone zu bauen.“

Die Antwort von Apple ist somit eigentlich: Nein, wir werden keinen Präzedenzfall schaffen, eine Hintertür in unser System einbauen und damit jeden Gedanken an die Sicherheit der Daten von Hunderten Millionen Kunden aus dem Fenster befördern.

Die Entscheidung von Tim Cook hat er auch in einem offenen Brief ausführlich erklärt. Dennoch haben sich diverseste Institutionen und Persönlichkeiten negativ darüber geäußert, dass Apple versucht nicht nur seine Integrität, sondern auch das Recht auf Datensicherheit zu schützen.

Zwei Dinge sind zu bedenken:

  1. Wenn ein Präzedenzfall geschaffen wird und eine Hintertür-Software erstellt wird, was würde andere Regierungen oder Regime daran hindern Apple ebenfalls zu zwingen Zugang zu dieser Hintertür zu bekommen?
  2. Die Sicherheit eines Systems ist dann gegeben, wenn nicht einmal der Hersteller die Sicherheitsvorkehrungen umgehen oder aufheben kann.

Zur Zeit der Veröffentlichung dieses Beitrags hat sich der weltweit größte Anbieter für Smartphone-Betriebsysteme, Google, nicht geäußert zum bestehenden Lage. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt um Apple den Rücken zu stärken, bei einem Thema, dass Google auch beschäftigen sollte. Insbesondere da gerade erst vor zwei Wochen bekannt geworden ist, dass es Hintertüren für Googles Android Smartphones der Hersteller HTC, Sony, Huawei, Lenovo und anderen chinesischen Marken und Hersteller gibt.

„Das FBI schafft gerade eine Welt, in der die Bürger auf Apple angewiesen sind, um ihre Rechte zu verteidigen, statt umgekehrt.“ meint Edward Snowden dazu, womit er die Situation ziemlich genau definiert.

Denn wenn das kommunistische China, das Land welches das Internet erfolgreich zensiert, von der Forderung abgewichen ist, dass Hintertüren für in China verkaufte Smartphones eingerichtet werden, sollten da die demokratischen U.S.A. nicht mindestens diesem Beispiel folgen?

 

UPDATE (18.02.2016/3:24):

Google hat seinen Hut in den Ring geworfen und bestärkt Apple in seiner Argumentation, dass es eine für Kunden gefährliche Situation erzeugen würde, wenn man die Sicherheit der eigenen Software absichtlich schwächt.

 

[EXPAND – – Quellen – –]

All Writs Act | http://deine.ws/1QJRGvD
Google Androids Hintertüren | http://deine.ws/1KqTD3o
Edward Snowdens Tweet | http://deine.ws/1QJSgJF
Chinas Einsicht | http://deine.ws/1KqTVqX
Googles Antwort | http://deine.ws/1Tsbz03

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